Direkt zum Inhalt
Spektakulärer Prozessbeginn

Spektakulärer Prozessbeginn Klage gegen das ungarische Anti-Homosexuellen-Gesetz – der größte Menschenrechtsprozess in der EU-Geschichte

ms - 19.11.2024 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Heute startet der größte Menschenrechtsprozess in der Geschichte der EU: 16 Mitgliedstaaten, darunter auch Deutschland, das Europäische Parlament und die Europäische Kommission klagen gegen das Anti-Homosexuellen-Gesetz in Ungarn

Ein Urteil mit Folgen

Die Anhörung heute vor dem Gerichtshof der Europäischen Union wird mit Spannung erwartet, ein Urteil gegen Ungarn könnte andere EU-Mitgliedstaaten wie Bulgarien oder Litauen dazu zwingen, ähnliche Gesetze aufzuheben und andere Regierungen wie Italien, Rumänien oder die Slowakei zu einem Umdenken erwägen. Eine ähnliche Signalwirkung könnte ein Verurteilung auch auf Georgien haben, dass sich gerade inmitten der EU-Beitrittsgespräche befindet und ein ähnliches Gesetz in diesem Jahr verabschiedet hatte. 

Das Anti-Homosexuellen-Gesetz in Ungarn ist eine Blaupause des russischen Anti-Homosexuellen-Propaganda-Gesetzes aus dem Jahr 2013. Unter dem Vorwand, Kinder zu schützen, schränkt das ungarische Gesetz die Rechte von Homosexuellen ein, zensiert die Sexualerziehung, verbietet alle Themen rund um LGBTI* an Schulen und in den Medien, unterbindet den Verkauf oder das Anbieten von Büchern mit LGBTI*-Inhalten und setzt Schwule mit Pädophilie gleich.

Eintreten für die EU-Grundrechte

Drei internationale LGBTI*-Organisationen hatten den Fall maßgeblich vorangetrieben. Eszter Polgari vom ungarischen Verein HATTER hatte gegenüber SCHWULISSIMO bekräftigt: „Es steht viel auf dem Spiel: Es geht nicht nur darum, dass ein Mitgliedstaat sich nicht an sekundäres EU-Recht hält, sondern es geht darum, einen Trend zur Verabschiedung oder auch nur Erwägung von Anti-LGBTI*-Gesetzen zu stoppen. Der Fall bietet eine gute Gelegenheit, für die Grundrechte und Werte einzutreten, auf denen die gesamte EU beruht. Ein künftiges Urteil des EuGH, in dem festgestellt wird, dass Ungarn gegen EU-Recht verstößt, betrifft nicht nur Ungarn; ein solches Urteil wird in der gesamten Europäischen Union gelten und die Mitgliedstaaten daran hindern, ähnliche Gesetze in ihren jeweiligen Ländern zu erlassen.“ Final wird die Plenarkammer über den Ausgang des Verfahrens entscheiden, ein genauer Termin steht noch nicht fest. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Protest von Peter Tatchell

Boykottaufruf in London

Der britische Aktivist Peter Tatchell ruft zusammen mit anderen zum Boykott der Restaurantkette Chick-fil-A auf und kritisiert dessen LGBTIQ+-Agenda.
Überwachung von Stonewall

Permanente Kameraaufzeichnung

Damit die Pride-Flagge am Stonewall Monument in New York nicht erneut entfernt wird, wollen queere Aktivisten nun eine Kameraüberwachung einrichten.
Geschlechtseintrag Österreich

Neue erweiterte Möglichkeiten

In Österreich gibt es seit dieser Woche erweiterte Möglichkeiten für den Geschlechtseintrag, darunter „inter“, „divers“ und „offen“.
CSD Cloppenburg fällt aus

Neustart für 2027 geplant

Der CSD Cloppenburg in Niedersachsen fällt dieses Jahr aus. Der Verein betont, es gäbe schlicht zu wenig Ehrenamtliche.
Koalitionsvertrag Brandenburg

SPD und CDU stellen Programm vor

In Brandenburg hat die neue rot-schwarze Regierung den neuen Koalitionsvertrag vorgestellt, LGBTIQ+-Themen werden nur am Rande erwähnt.
Geschmackloser Wahlkampf

Strafanzeige gegen Kandidaten

Ein AfD-Wahlplakat mit möglicher NS-Symbolik hat im brandenburgischen Landkreis Uckermark eine staatsanwaltschaftliche Überprüfung ausgelöst.
Boykott der Community

LGBTIQ+-Nutzer ziehen zurück

Queere deinstallieren ChatGPT, nachdem bekannt wurde, dass die KI-Modelle künftig auch für das US-Verteidigungsministerium weiterentwickelt werden.
Großer Verlust für LGBTIQ+

Deadpool, X-Men und Captain Marvel

Der plötzliche Tod des Comiczeichners Jacopo Camagni im Alter von nur 48 Jahren hat weit über Italiens Grenzen hinaus Bestürzung ausgelöst.